Der Fangschuß by Marguerite Yourcenar

By Marguerite Yourcenar

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Atlan-Zeitabenteuer: Atlan, Bd.9, Herrscher des Chaos

Könige und Kaiser, Kalifen und muslimische Heerführer - sie alle sind Herrscher des Chaos. In den Jahren zwischen 800 und 1200 nach Christi Geburt ringen sie um die Macht in den vom Krieg verwüsteten Ländern um das große Binnenmeer. Atlan, der zehntausend Jahre alte Arkonide, der später zum besten Freund Perry Rhodans wird, versucht Frieden zu stiften und entscheidende kulturelle Impulse zu geben.

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Man redet immer so, als ob Tragödien sich im Leeren abspielen, während sie doch stets durch ihren Hintergrund mitbedingt sind. Unsere glücklichen wie unsere unglücklichen Stunden in Kratovice hatten als Hintergrund jenen Korridor mit seinen vernagelten Fenstern, in dem man sich fortwährend an etwas stieß, oder jenen Salon, aus dem die Bolschewiken nur die chinesische Waffensammlung mitgenommen hatten und wo das von einem Bajonett durchbohrte Bildnis einer ihr Mißgeschick belächelnden Dame von der Wand auf uns herabblickte.

Aber von diesem Abend an war alles so, als sei einer von uns beiden bereits tot. Ich hatte jedes Gefühl für sie und sie das Vertrauen zu mir verloren, das sie mir früher, weil sie mich liebte, entgegengebracht hatte. Was sich noch am ehesten mit den eintönigen Phasen einer Liebe vergleichen läßt, das sind die unermüdlichen und erhabenen Wiederholungen der Beethovenschen Quartette. Während der düsteren Wochen der Adventszeit – und Tante Praskovia, die die Zahl ihrer Fastentage erhöhte, ließ uns keinen Feiertag des Kirchenkalenders vergessen – ging das Leben bei uns mit seinem üblichen 54 Anteil an Elend, Aufregungen und Katastrophen weiter.

Der General von Wirtz, der sich im Innern der baltischen Provinzen verschanzte, hatte uns so gut wie aufgegeben, so daß wir uns wie Schiffbrüchige im Büro des Verwalters von Kratovice zusammenfanden und über unsere Lage berieten. Sophie, den Rücken gegen die Tür gelehnt, pflegte diesen Beratungen beizuwohnen. Offenbar kämpfte sie innerlich darum, sich ein gewisses Gleichgewicht zu bewahren zwischen ihren Überzeugungen – die schließlich ihren einzigen persönlichen Besitz darstellten – und der Kameradschaft mit uns, die sie nicht aufgeben wollte.

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